Münchner Sommernachtstraum 2005
"Liebevoll auch Feuerwerkspapst genannt, gehört Ingenieur Rainer Ellenberger zur Elite der Pyrotechniker-Zunft" ..."aus patentierten Abschusseinheiten nur noch per Computer gesteuert. Damit ergeben sich neue Maßstäbe außergewöhnlicher Effektkombinationen und die Möglichkeit einer perfekten Synchronisation mit anderen Medien" ... "Mit dem Münchner Sommernachtstraum wird Rainer Ellenberger alles bisher Dagewesene übertreffen. Extravagante Lösungen mit vielen Sondereffekten passend zum Sound von einer musikalischen Mischung aus Pop, Rock, Klassik und Film-Musik werden zu einem Gesamtkunstwerk auf dem Wasser, zu Lande und in der Luft verschmelzen."
So wurde das Feuerwerk in der Presse vollmundig beworben. Natürlich ein Grund, sich das Ganze selbst aus der Nähe anzusehen.
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| Abb. 2: Aufbau der hinteren Abschussstelle bei der Olympia-Alm mit fertig vorkonfektionierten Abschussgestellen |
Zunächst zum "Papst": In Deutschland gibt es viele
Feuerwerker, wirklich gute sind aber selten. Ganz sicher gehört
jedoch der Sieger der
Feuerwerks-Weltmeisterschaft
2004 in Montreal, Chefpyrotechniker Georg Alef von WECO, dazu. Über
den Rest läßt sich dann streiten, aber das Feuerwerk in München
(das schon vorab) zählte nicht unbedingt dazu.
Die angekündigte "patentierte Abschusseinheit" weckte natürlich
sofort mein technisches Interesse. Über eine kurze Online-Recherche
beim
Deutschen
Patentamt (Suche nach Erfinder) wird man sofort fündig. Es
handelt sich dabei um eine spezielle, bereits in der Firma
aufmunitionierte Abschussanlage mit Glühkerzen:
"Mehrläufige Feuerwerksanlagen mit einer elektronischen Zündung die über ein Steuerprogramm ansteuerbar sind, gehören zum Stand der Technik. Nachteilig bei diesen Anlagen ist der Verdrahtungsaufwand zur Verkabelung der elektronischen Einwegzünder sowie die hierbei jeweils erforderliche Neuverdrahtung beim Mehrfachbetrieb derartiger Feuerwerksanlagen. Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine mehrwegfähige Feuerwerksanlage mit einer mehrwegfähigen Zündmöglichkeit zu schaffen. Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, daß einem jeden Lauf (2) einer Abschußeinheit (1) eine gezielt bestrombare Glühkerze (11) zugeordnet wird, deren Glühdraht (12) sowohl gegenüber dem Schmauch des Treibsatzes (3) als auch den Zündtemperaturen resistent ist."
Hierzu würde mich noch brennend interessieren, wie die gesetzlichen Transport-Bestimmungen bei der fertig geladenen Abschusseinheit umgesetzt werden. Aber das bleibt wohl Firmengeheimnis. Nun genug der technischen Ausführungen, zurück zum Jahrhundert-Feuerwerk-Event.
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| Abb. 3: Eines der beiden schwimmenden Lichterbilder |
Bereits am Freitag wurde mit dem Aufbau begonnen. Das Technische Hilfswerk (THW) Mühldorf stellte einige große Boote, wovon vier mit Trägern zu zwei großen, schwimmenden Plattformen verbunden wurden. Darauf wurde je ein etwa 10 Meter hoher Würfel aus Gittermasten mit je zwei 6 Meter hohen Lichterbildern befestigt. Am Seeufer des unteren Sees wurden im gesperrten Bereich Vulkane etc. montiert. Ein weiteres Boot diente am oberen See als Abschussplattform. Daneben wurden etwa 25 schwimmende Pontons in 15 bis 30 Meter Abstand vom Ufer verankert. Diese waren mit verschiedenen Effekten auf Europaletten bestückt, wie kleinere Feuerwerksbatterien und Einzelabschüsse in Aluminiumrohren. An 15 Meter hohen, orangenen Kränen wurde rings um den See eine Beschallungsanlage mit gewaltigen Lautsprechern installiert. Tagsüber wirkten diese zwar in der Parkanlage wie Fremdkörper, aber Nachts waren sie praktisch nicht zu sehen und erfüllten ihren Zweck hervorragend.
Am Samstag wurde schließlich noch das restliche Feuerwerk auf dem Olympiaberg und hinter der Olympia-Alm aufgebaut. Der Olympiapark wurde das erste mal in seiner Geschichte komplett eingezäunt, nur wer Eintritt bezahlte, hatte Zugang zum Sommernachtspark. So wurde ab 13:00 Uhr das Olympiagelände für den Publikumsverkehr vollständig abgesperrt. Einlass für die zahlenden Zuschauer (Eintritt ab 15 Euro) war gegen 16:00 Uhr.
Bestückt mit komplettem Picknick-Korb, Campingsessel und Wetterschutzkleidung ging es nun darum, einen günstigen Platz zu ergattern. Dank des Schauer-Wetters hatte man jedoch bis Einbruch der Dämmerung freie Wahl. Es stellte sich allerdings die Frage, wohin. Es gab praktisch keinen Platz, an welchem man alle Effekte vollständig einsehen konnte. Entweder man sah nur einen Teil vom See oder aber den See vollständig von oben, dafür hatte man aber die größeren Kaliber im Rücken. Schließlich entschied man sich für einen Sitzplatz direkt am See.
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| Abb. 4: Wartendes Publikum beim Theatron gegen 18:00 Uhr | Abb. 5: Römische Lichter |
Auf verschiedenen Bühnen rund um den Olympiasee wurde ein Rahmenprogramm aufgeführt. Ab 19 Uhr fand im Theatron ein Konzert mit Klassik- und Rockmusik statt, an den verschiedenen fünf Bühnen rund um den See war eine Percussion-Olympiade mit Schlagzeugern und Percussionisten aus Südamerika, Afrika, Europa, Asien bis Australien und Japan gleichzeitig zu bewundern (und zu hören).
Nach Werken von Mendelssohn und Prokofieff komponierte und inszenierte Eberhard Schoener das Finale des Sommernachtstraums mit Projektionen und Illuminationen. Diese ließen das Gelände in ungewohntem Licht erscheinen, mysteriös gestreift, als wäre man in einer anderen Welt. Dieser Anblick war wirklich faszinierend.
Das Feuerwerk war dann wirklich beeindruckend. Von überall schossen die Bomben in die Höhe und man war mitten drin, wobei wir allerdings von unserem Platz nicht wirklich alles sehen konnten. Aber das war auch schon beeindruckend.
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externe Links:
Andere, sehr empfehlenswerte Groß-Feuerwerke in München:
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| Abb. 6: Sehr schöne Aufnahme von
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Münchner
Sommernachtstraum 2006








